Sonntag, 19. August 2007

3. Samstag Dazaifu


Dazaifu ist berühmt für seinen großen Tempelbezirk und für die prachtvolle Pflaumenblüte im Frühjahr.
Meine Gastfamilie ist wie immer sehr spät aufgestanden und so gab es erst um 9:30 Frühstück. Aber wie man es bezeichnet macht ja keinen Unterschied, gebratenen Fisch kann man ja auch zu Mittag oder am Abend servieren.
Ich habe mich jedoch schon recht gut an diese Sitte gewöhnt, vielleicht weil mir um 9 meist schon ziemlich der Magen knurrt, da ich schon um 7:00 aufstehe.
Als wir dann endlich los sind, sind wir erstmal eine zeitlang querfeldein Richtung Dazaifu gefahren. An Reisfeldern und Häusersiedlungen vorbei. Aber Felder sind hier nicht gerade ein Zeichen für ländliches Leben, denn Felder gibt es hier überall, auch mitten in der Stadt. Es wird jeder m² genutzt, denn Japan hat nicht sehr viele Ebene Flächen, sondern besteht mehr aus Gebirgen und Hügellandschaften. Reis braucht jedoch ein Wasserbett (wird auch Nassreisanbau genannt) und benötigt daher ein sehr ebenes Feld. Häuser dagegen werden gerne auch in Hügel hinein gebaut.
Irgendwann sind wir dann auf einen riesigen Parkplatz gestanden und dann einfach den Menschenstrom gefolgt. Der führte uns vorbei an vielen kleinen Geschäften, die allerhand Schnick Schnack anbringen wollen oder zum verweilen im Lokal einladen.
Die Spezialität in Dazaifu sind Umegae Mochis, die nicht wie andere Mochis einfach in Reismehl gewälzt werden sondern in kleinen Waffeleisen raus gebraten werden. So erhalten sie noch ein wenig das Aroma von frischen Reiswaffeln oder Reiscrackern. Ich hatte ja eigentlich vor welche mitzunehmen, aber leider kann man die nur frisch essen L
Da die Stadt für ihre Pflaumenblüten berühmt ist, tun sie die praktisch überall rein. In die Nudeln (hab ich gekauft), in die Mochis (hab ich auch gekauft) oder in die Räucherstäbchen (hab ich dann doch nicht gekauft).
Ich muss Japan unbedingt beim nächsten Mal im Frühling besuchen wenn es überall blüht, bei den vielen Bäumen hier muss das wunderschön sein.
Auf dem Weg zu de Tempeln machten wir dann in einem kleinen Kissaten (japanisches Teehaus) halt. Dort genoss ich mein erstes Umegae Mochi sowie meinen ersten richtigen Macha Tee (grünes Teepulver das mit heißem Wasser aufgeschäumt wird). War eigentlich ganz gut und das Lokal war wirklich atemberaubend schön mit einem kleinen grünen Innenhof und kleinen Teich. Meine Gastmutter hatte sich auch ein Mochi bestellt, jedoch mit einem Kaffee, der sehr kunstvoll serviert wurde. Mein Gastvater hatte eine kalte süße Anko (süße Bohnenpaste) Suppe mit kleinen Mochi Stückchen und einer Vanilleeiskugel. Durch die Mochis und die Bohnen hatte die Suppe eine sehr zähe und klebrig aussehende Konsistenz, aber da ich das schon mal im warmen Zustand gegessen habe, weiss ich dass es eigentlich ganz gut schmeckt.
Wir sind dann weiter zu den Tempeln, die ebenfalls ins wunderschönen Grünanlagen stehen, mit vielen kleinen Teichen, Wasserfällen und Brücken.
Irgendwann sind wir dann zum Haupttempel gekommen, vor dem man sich bei einem riesigen Becken reinigen musste bevor man die nächste Anlage betritt. Dort gab es dann, neben dem eigentlichen Tempel verdammt viele kleine Tempelshops bei denen man überteuerte kleine Glücksbringer kaufen kann. Auch wenn sie süß aussehen, für ein Stückchen Stoff und ein Glöckchen zahl ich keine 6€ oder mehr.
Vor dem Tempel warfen gläubige Japaner eifrig Münzen in eine große dafür vorgesehene Kiste und beteten im Schweiße ihres Angesichts in der prallen Sonne.
Im inneren liesen sich Gläubige im Minutentakt von Tempelpriestern weihen. (Da muss man sich übrigens auch die Schuhe ausziehen).
Da ich nicht vorhatte mich im Rhythmus von klimpernden Münzen und vor sich hin murmelnden Priestern weihen zu lassen sind wir auf einem anderen Weg weiter gelaufen und zwar Richtung Museum. Das liegt im einiges höher als die Tempelanlage, aber da einem das beten ja schon genug auszehrt führen darauf einige Rolltreppen, die von eifrigen Wachmännern beaufsichtigt werden. Alles überdacht und klimatisiert natürlich.
Oben angekommen sind wir dann vor einem riesigen gläsernen gewölbten Gebäude gestanden das richtig in den Hang hinein gebaut wurde, eingebettet in eine grüne Landschaft. Wirklich schön.
Vorm eigentlichen Eingang entdeckte ich dann etwas Erstaunliches und wirklich typisch japanisches. Elektrische voll automatische Fahrradständer sind ja schon etwas Alltägliches für mich, aber hier stand ein Sonnenschirmständern vor mir, der mit Schlüsseln und elektrischen Halterungen die Schirme bewacht während man sich in einem Gebäude aufhält.
Leider durfte man drinnen nicht fotografieren, aber es war wirklich sehr schön, informativ und vieles war auch für Kinder sehr gut geeignet.
Eine Unart der Japaner, die mir schon in Wien aufgefallen ist, ist, dass Japaner eigentlich überall recht schnell durchlaufen. Sie bleiben vor allem kurz stehen, lesen das Informationsschildchen und laufen weiter. So hatten wir das Museum trotz der Größe recht schnell durch, sodass wir uns auf einem anderen Weg wieder zurück zum Ausgang begaben. Auf dem Weg haben wir noch ein paar Tempel gesehen und wir sind auch die kleine Einkaufsstraße entlang geschlendert, aber alleine wäre das irgendwie angenehmer gewesen. Ich gehe doch recht gerne in jedes Geschäft rein und stöbere lange herum. Aber wenn einem eine ganze japanische Familie überall langsam hinterher trottet und nur darauf wartet dass man was kauft, damit man weiter gehen kann ist das nicht so berauschend.
Am Nachhauseweg machten wir dann in einem anderen Lokal halt, deren Spezialität anscheinend Schnitzelartiges paniertes Fleisch mit Sesamsauce, Reis und Suppe ist. Grundsätzlich schaut alles gleich aus, daher hab ich einfach irgendwas bestellt. War gar nicht mal so schlecht, nur etwas fettig.
Am späteren Nachmittag wusste ich dann jedoch nichts mit mir anzufangen. Ich hatte gedacht, dass der Ausflug nach Dazaifu den ganzen Tag dauern würde und hatte daher keinen weiteren Pläne. Meine Gastfamilie sagte, wir würden nachher (wann immer das sein soll) zum Fest gehen, das hier in der Hausanlage gerade stattfindet. Es ist so was wie ein Sommerstraßenfest, wird sicher ganz lustig.
Das erwähnte später war dann um 20:00 und ich bin ziemlich unvorbereitet mitgegangen.
Es gab Musik, viele herum laufende Kinder, kleine Happen zu essen und keine Sitzplätze.
Die meisten der Kinder trugen traditionelle Sommer Yukatas und Holzsandalen, selbst die ganz kleinen.
Es gab auch kleine typisch japanische Spiele, bei einem hab ich sogar mitgemacht. In einem kleinen Pool schwimmen viele kleine Luftballons, die auch ein wenig mit Wasser gefüllt sind Sie sind mit einem Gummiband verschlossen, das am Ende noch eine kleine Schlaufe hat.
Man bekommt einen kleinen Hacken an dem ein gedrehtes Stück dünnes Taschentuch befestigt ist. An diesem Stück hält man den Hacken fest. Nun muss man mit dem Hacken eine der Luftballonschlaufen erwischen, dafür muss man das ganze notwendigerweise ins Wasser tauchen und genau da ist die Schwierigkeit, das Taschentuchschürdel wird nass und ist nicht mehr sehr widerstandsfähig. Noch dazu muss man den Ballon aus dem Wasser heraus ziehen und da der auch noch mit Wasser gefüllt ist, ist er recht schwer und spätestens jetzt reißt meistens das nasse Schürdel.
Da ich meinen beim zweiten Anlauf fast schon draußen hatte, bekam ich ihn trotzdem, auch wenn es gerissen ist. Nur was man mit dem Teil nun anfangen soll ist mir immer noch ein Rätsel, die meisten spielen einfach nur gelangweilt damit herum.
Bei dem Fest hat meine Gastfamilie viele Leute getroffen, die sie schon lange kennen und sie haben recht viel mit denen gequatscht. Es ist sicher eine nette Gelegenheit bei so einem Fest wieder einmal mit Freunden zu reden, ich hingegen kannte ja niemanden und stand etwas gelangweilt dabei. Später wurde dann zur Karaoke aufgerufen, da jedoch nur traditionelle japanische Enkas (so was wie unsere Schlager) gespielt wurden, meldeten sich nur ältere Damen, die dann ins Micro heulten und überhaupt nicht den Ton halten konnten.
Wir sind dann jedoch recht bald wieder gegangen, meine Gastmutter hat noch eine Freundin mitgenommen und dann gab es Abendessen.
Zum Abendessen gab es selbstgemachtes Okonomiyaki!!! Leider hat meine Gastmutter das ganze noch zusätzlich mit getrockneten Fischflocken bestreut, wodurch es einen recht eigenartigen Geschmack bekam, aber es war grundsätzlich ganz gut.
Der Gastvater wollte dann noch, dass ich die Bilder des heutigen Tempelbesuches herzeige, und da ich gleich mit dem ganzen Laptop angerückt bin und japanische Frauen so ziemlich alles „kawaiiii“ (süß, niedlich) finden habe ich ihnen praktisch alle Fotos gezeigt die es bei mir zum herzeigen gibt (zum Glück sind das am Laptop noch nicht so viele, sonst würde ich immer noch da draussen sitzen.
Irgendwann gegen Mitternacht verabschiedete sich der Besuch und ich ging ins Bad. Um 0:30 bin ich dann endlich ins Bett gefallen. Aber nur mal so angemerkt, meine Gastfamilie war da immer noch wach und hat auch nicht den Anschein erweckt jetzt schnell ins Bett zu wollen.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

toll geschrieben
mach ein buch daraus!

Anonym hat gesagt…

Hi, ja Wahnsinn was und wie du das alles schreibst, Hast da überhaupt noch Zeit dir alles anzusehen und zu lernen? ;o))

Super gemacht...

Alles Liebe,

Wuulf :o))