Dienstag, 11. August 2009

Sonntag- Asakusa²+ Erdbeben






In der Nacht von Samstag auf Sonntag war es so dermaßen heiß, dass ich kaum schlafen konnte. Sogar als mein Gastfamilie gänzlich schlafen gegangen ist habe ich mich noch auf meinem Futon gewälzt, der mir wie brodelnde Lava vorkam. Ich habe mir dann doch wirklich meinen Fächer aus der Tasche rausgesucht um mir Luft zugewedelt habe. Das hat mich blöderweise noch munterer gemacht, weswegen ich dann doch wirklich angefangen habe Gameboy zu spielen. Das war dann irgendwann einschläfernd genung, aber weiß Gott wie spät es da schon war.
Meine Gastfamilie hat mir ja schon unter der Woche gesagt, dass sie am Sonntag zeitig weg gehen, da es da anscheinend irgendeine Veranstaltung der Ballettschule gibt, auf die alle 3 Kinder gehen. Gut, meinetwegen, ich werd schon den Teller mit meinem Frühstück finden, und zur Tür raus finde ich auch. Ich weiß wirklich nicht warum die da so ein Trara daraus machen.
Samstagmorgen, ich döse eigentlich noch tief und fest, höre ich, wie meine Schiebetüren wackeln, irgendwer ist da draußen und will vielleicht rein? Schnell ziehe ich mir sicherheitshalber die Decke irgendwie drüber (als ob irgendwer bei der Hitze mit Klamotten und unter der Decke schlafen könnte) und tu einfach mal so als ob ich das nicht höre und schlafe weiter.
Wenige Augenblicke später geht doch wirklich eine Schiebetür auf und eines der Kinder hoppelt über mich drüber (das Zimmer ist klein) und fummelt im lautstark im Kasten herum. Ähm? Hallo? Morgen, was machst du denn da? Die zwei anderen Kinder stehen an der Tür und linsen rein, erhoffen sich wohl einen Blick auf einen nackten Popo… Ich rapple mich vorsichtig auf, aber die Kleine ist schon wieder draußen und murmelt nur ein „´tschuldigung, dass ich gestört habe“. Tür zu, Kinder weg, alle verlassen die Wohnung.
Also echt, was war das denn?
Nach der kurzen Nacht (es ist noch nicht einmal 8 Uhr) steh ich halt auf, nach dem Schock kann ich eh nicht mehr einschlafen.
Draußen befindet sich wie erwartet mein Frühstück, interessanterweise ohne etwas zu Trinken, darauf wurde wohl ganz vergessen. In der Küche gibt’s auch nichts mehr, das nehmen die für gewöhnlich auch in ihren Thermoskannen mit.
Alle scheinen die Wohnung aber nicht verlassen zu haben, der Gastvater kam torkelnd aus dem Schlafzimmer, als ich gerade gehen wollte. Er erzählt noch irgendetwas, dass es zu Abend Pizza gibt und ich deswegen anrufen soll, jaja, den Spruch kenn ich.
Als ich dann nach einer gefühlten Ewigkeit raus kam musste ich beim Supermarkt feststellen, dass es noch nicht einmal 9 Uhr ist. Selbiger hatte nämlich noch geschlossen, aber da es gerade zu Regnen begann wartete ich lieber.
Danach ging es dann auch endlich Richtung Asakusa, dort war ich zwar schon einmal, aber dort gibt es wirklich viel zu sehen und vor allem günstige Yukatas habe ich dort gefunden.
Diesmal wollte ich die Strecke zwischen Asakusabashi und Asakusa aber nicht laufen, das tu ich mir wirklich nicht noch einmal an, auch wenn es nur 2 Stationen sind. Das Umsteigen bei Asakusabashi glich jedoch einem Irrgartenlauf, zuerst über hundert Treppen aus dem Bahnhof der JR Linie raus, dann über ebenso viele Rolltreppen wieder bei der Metrolinie rein.
Asakusa ist ja nicht nur bei Touristen ein beliebtes Ziel, auch viele Japaner pilgern dorthin. Auch heute strömten die Leute nur so aus der U-Bahn, es ist jedoch lustig zu beobachten wie sich Japaner bei so was verhalten. Ich machs mir ja einfach, ich folge einfach der Menschenmasse, die wissen schon wos langgeht, aber die Japaner, die hier nur zu Besuch sind oder das erste Mal hier sind müssen sich bei jedem Schild vergewissern, dass sie wirklich auf dem Weg nach Asakusa zum berühmten Kaminari-Mon sind.
Das Gelände zwischen dem berühmten Tor und dem eigentlichen Tempel ist ein Gewirr aus Geschäften, Einkaufsstraßen, Ständen und Buden. Auf den Hauptwegen werden Touristen Polyester- Yukatas zu überteuerten Preisen angeboten, so was würde doch kein Japaner tragen, das kann man auch gar nicht so tragen wie einen echten Yukata, aber die Touristen scheinen es zu kaufen.
Aber ich habe ja schon letztes Mal einen wunderbaren kleinen Stand in einer Seitenstraße gefunden, leider habe ich recht lange gebraucht um ihn heute wieder zu finden.
Aber ich habe ihn gefunden und ihm 2 wunderhübsche Yukatas um nicht einmal 4000 Yen (das sind 28€!!) abgekauft.
Bei 2 anderen Shops habe ich günstig (na ja wenn man es günstig nennen kann für sowenig Stoff soviel zu bezahlen, aber es war wirklich das günstige dass ich gefunden habe!) 2 hübsche Obis gekauft, die sich gut mit den Yukatas kombinieren lassen.
Bei einer meiner Verschnaufpausen hat mich ein älterer Herr angesprochen, das übliche, woher ich komme, was ich hier in Japan mache, usw. Er war aber sehr nett und freundlich und hat auch einiges von sich erzählt und war sehr bereit japanisch mit mir zu reden, nur hin und wieder wenn ich ein Wort nicht verstanden habe hat er auf ein furchtbares Englisch zurück
gegriffen. Aber als dann endlich seine Frau vom shoppen zurückkam, habe ich die Flucht ergriffen, will ja nicht ewig herum sitzen und mit alten Leuten reden.
Als ich mich dann am Nachmittag schwer beladen auf den Rückweg machen wollte (inklusive Zwischenstopp) habe ich doch tatsächlich meine U-Bahnstation nicht gefunden. Dummerweise führte der Weg durch eine kleine Seitengasse, aber welche? Die Gegend schaut hier leider überall gleich aus, überall eine Überdachung und gelbe Laternen und viele viele Menschen. Ich bin dann ein bisschen in der Gegend herum geirrt und habe dann einen anderen Eingang der selben Station gefunden, zum Glück!Meine Suica Karte hatte für normale Strecken nur noch 10 Yen Guthaben, dummerweise hat mich die Schranke deswegen nicht durchgelassen und der einzige Automat für Suica Karten war außer Betrieb, wie toll!
2 Freundliche Japaner sind vorbei gekommen, haben mein verwirrtes Gesicht gesehen und wollten mir sofort helfen. Sie klopften einfach mal beim Automaten an (da hinten sitzt ja jemand!) und haben dem mein Problem geschildert. Der Automat wurde innerhalb kurzer Zeit gerichtet und ich konnte mir ein Guthaben auf die Karte laden.
Gleich eine Station nach Asakusabashi befindet sich Ryogoku, laut meinem Tokyo Führer ein Sumo-Zentrum. Und tatsächlich erkenne ich das große Gebäude, in dem Sumo Vorführungen stattfinden. Nachdem ich einmal drum herum gelaufen bin habe ich gesehen, dass mein Haupteingang recht viele Leute ein- und ausgehen, ich probiers also auch, vorbei an dem Wachmann, der mich freundlich rein bittet. Drinnen finde ich dann ein kleines Sumomuesum vor, nicht sehr spekatkulär, deswegen schau ich mal wo die anderen Leute so hin laufen und siehe da, in der großen Halle ist was los. Zuerst halte ich es für Übungskämpfe, aber die Teilnehmer schauen alle noch sehr Jung aus, ein paar Schmächtige waren auch dabei.
Ich wage mich also weiter nach vor und setzte mich in eine der Sitzlogen (hier ist für alle Schuhe ausziehen Pflicht) in der zweiten Reihe und beobachte eine Weile was so vor sich geht. Die Zuschauer scheinen alles Verwandte der Junior-Sumoringer zu sein, das sieht man einigen leider auch sehr an.
Das ganze Stellte sich als Landesmeisterschaft der Nachwuchs-Sumoringer heraus, die hier in Gruppen gegeneinander antraten. Gewonnen hat übrigens die Präfektur Ischigawa.




Es war wirklich lustig und interessant mitanzusehen, besonders wenn ein Fliegengewicht gegen ein kleines Walross antreten muss.
Die Sumokämpfer tragen wirklich nichts anderes als dieses übergroßen Stringtanga, der hin und wieder beim Kampf auch aufgeht. Der Kampf ist übrigens sehr kurz, nicht einmal eine Minute und schon ist es entschieden.
Als alles vorbei war bin ich dann auch gleich Nachhause gefahren, ich war sowieso zu müde um mir noch irgendetwas anzusehen und meine Einkäufe waren zu schwer.
Ich hatte nur noch eine 10Yen Münze, weswegen mein Anruf auf der Mailbox der Gastmutter eher kurz ausgefallen ist und ich fürchte die Zeit ist nicht mehr auf der anderen Seite angekommen, na ja was solls, sollen sie sich das mal selbst überlegen.
Auf dem halben Weg zwischen Bahnhof und Gastfamilie ist mir mein Gastvater entgegen gekommen, den habe ich aufs erste gar nicht erkannt, hab den ja vielleicht 5 oder 6 mal gesehen, und das auch nur kurz in der Früh.
Anscheinend gibt es die angekündigte Pizza nicht zuhause sondern in einem Restaurant, zumindest steuerte er direkt eines an. Ich dachte die ganze Familie wird dort schon sitzen, aber Fehlanzeige. Wir bleiben alleine, die Gastmutter ist mit den Kindern bei ihren Eltern.
Noch dazu war das Restaurant etwas merkwürdig, schon die Eingangstür war selbst für einen Japaner zu niedrig, danach musste man über eine Holzbrücke, die knapp die Decke streifte und dann saßen wir bodennah in einer kleinen Ecke, zwischen uns ein 10cm hoher Tisch.
Beim Essen sind mir immer wieder die Füße eingeschlafen, mit einem Kleid kann man dummerweise nicht so im Schneidersitz dasitzen wie mein Gastvater das zum Beispiel gemacht hat.
Mitten im Essen gab es dann sogar ein Erdbeben. Nur ein ganz leichtes, außer dem Schwanken hat man rein gar nichts mitbekommen. Dauerte auch nur knappe 2 Minuten.
Es war jedoch eine sehr interessante Erfahrung, als es losging sind alle verstummt, aber sobald sie gemerkt haben, dass es nur ein leichtes ist, haben die Leute weiter gelacht und geredet, als wäre das das natürlichste auf der Welt.
Hier in Japan ist das wohl auch wirklich so der Fall, in der Zeitung gibt’s hin und wieder Tabellen, in denen die letzten Erdbeben mit Epizentrum und Stärke verzeichnet sind, mehr nicht.
Wenn bei uns mal ein Erdbeben ist, das ich einfach verschlafen habe, sind die Zeitungen tagelang voll damit, als stünde der Weltuntergang bevor.
Nach dem Essen haben wir uns auf dem Heimweg gemacht, aber plötzlich hat sich der Gastvater verabschiedet, meinte noch ich solle zuhause halt gleich Duschen gehen, und weg war er. Sehr seltsamer Kerl.
Zuhause war natürlich niemand, hätte ich auch nicht erwartet. Es lag jedoch ein Zettel auf dem Esstisch, eines der Kinder hat mir aufgeschrieben, dass mein Abendessen (Pizza) im Eiskasten ist. Hier weiß A nicht was B macht, wie mir scheint?
Na egal, gegessen hab ich schon, also ab unter die Dusche, die ich bitter nötig habe nach der Hitze heute. Ich weiß nicht wie die Japaner das aushalten, erst recht mit soviel Gewandt, und das ohne sich in ein klebriges Etwas zu verwandeln.
Irgendwann, nachdem ich meine Einkäufe verstaut hatte, ist dann auch die Gastfamilie eingetrudelt. Zum Glück sind die Kinder zügig ins Bett gegangen, bzw. wurden von ihrem Vater dorthin getragen.
Bei der Hitze, die es selbst jetzt um 22Uhr noch hat, sehne ich mich ein kleines bisschen nach den kühlen Sommernächten in Österreich.

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